Wirtschaftswege in Meißner: Verantwortung und Herausforderungen | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Die Gemeinde Meißner und die Jagdgenossenschaften setzen sich für den Erhalt der Wirtschaftswege ein, sehen aber steigenden Aufwand und bürokratische Hürden kritisch.

Wirtschaftswege in Meißner: Verantwortung und Herausforderungen

Wege erhalten – Zukunft gestalten

Gemeinde Meißner und Jagdgenossenschaften sehen zunehmenden Aufwand bei der Unterhaltung unserer Wirtschaftswege mit Sorge

Die Unterhaltung unserer Wirtschaftswege gehört seit Jahrzehnten zu den Aufgaben, die in unseren Dörfern mit viel Eigeninitiative, Engagement und Augenmaß erledigt werden. Ein aktueller Vorgang in Wellingerode zeigt jedoch, wie schwierig selbst solche eigentlich alltäglichen Maßnahmen inzwischen werden können.

Gemeinsam mit der Gemeinde Meißner hat die Jagdgenossenschaft Wellingerode in diesem Sommer mehrere vorhandene Wirtschaftswege instand gesetzt. Die Jagdgenossenschaft engagiert sich bereits seit mehr als 40 Jahren für die Unterhaltung des örtlichen Wegenetzes und setzt dafür eigene finanzielle Mittel ein.

Davon profitieren nicht nur Landwirtschaft und Jagd. Ein gut erhaltenes Wirtschaftswegenetz steht ebenso Spaziergängern und Wanderern zur Verfügung und ist damit ein wichtiger Bestandteil unserer ländlichen Infrastruktur.

Aus einer Wegeinstandsetzung wird ein umfangreiches Verfahren

Nach einer Anzeige aus der Bevölkerung wurden die Arbeiten durch die Untere Naturschutzbehörde des Werra-Meißner-Kreises überprüft. Dabei wurden verschiedene Punkte beanstandet und umfangreiche Fragen an die Gemeinde gerichtet.

Unter anderem befanden sich in dem verwendeten Schotter einzelne Reste von Geotextil. Der Schotter war von der Jagdgenossenschaft Wellingerode beschafft worden und stammte vollständig aus dem Bereich der SuedLink-Baustelle in Wellingerode. Beim Aufnehmen des dort auf Geotextil gelagerten Materials waren offenbar einzelne Gewebestücke in den Schotter gelangt. Die sichtbaren Reste wurden inzwischen aufgesammelt und entfernt.

Auch das beim Abschieben der eingewachsenen Grasnarbe angefallene Bodenmaterial wurde beanstandet. Dieses war lediglich vorübergehend zwischengelagert worden und sollte nach der Ernte in Absprache mit den Landwirten auf angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen aufgebracht werden. Nachdem seitens der Unteren Naturschutzbehörde mitgeteilt wurde, dass bis zur Klärung des Sachverhalts keine weiteren Veränderungen vorgenommen werden sollen, wurde dies zunächst nicht umgesetzt.

Waren es Schotterwege oder Rasenwege?

Besonders schwer wiegt aus Sicht von Gemeinde und Jagdgenossenschaft die Frage, ob bei der Maßnahme bislang unbefestigte Wege erstmalig geschottert wurden.

Dies weisen Gemeinde und Jagdgenossenschaft zurück. Es handelt sich um seit langer Zeit bestehende Schotterwege, die im Laufe der Jahre teilweise stark eingegrünt waren und nun wieder instand gesetzt wurden. Historische Luftbilder aus dem Jahr 2016 stützen diese Einschätzung. Zusätzlich durchsucht die Jagdgenossenschaft ihre Unterlagen nach früheren Dokumentationen der Wegeunterhaltung.

Dass ein bestehender Schotterweg im Laufe der Jahre wieder einwächst und auf einem Luftbild teilweise wie ein Grasweg erscheint, bedeutet aus Sicht von Gemeinde und Jagdgenossenschaft nicht, dass es sich deshalb um einen bislang unbefestigten Weg handelt.

Das eigentliche Problem: Wer traut sich künftig noch?

Der aktuelle Vorgang macht aus Sicht von Gemeinde und Jagdgenossenschaft ein grundsätzliches Problem deutlich.

Selbst bei vermeintlich gewöhnlichen Unterhaltungsarbeiten an bestehenden Wirtschaftswegen muss heute offenbar damit gerechnet werden, im Nachhinein detailliert nachweisen zu müssen, wie ein Weg vor vielen Jahren ausgesehen hat, wann dort erstmals Schotter eingebaut wurde, woher das verwendete Material stammt und wie einzelne Arbeitsschritte ausgeführt wurden.

Natürlich müssen Natur- und Umweltschutz auch bei der Unterhaltung von Wirtschaftswegen beachtet werden. Wo Fehler passieren, müssen diese korrigiert werden. Die im Schotter vorhandenen Geotextilreste gehören beispielsweise nicht auf einen Wirtschaftsweg und wurden deshalb entfernt.

Gleichzeitig dürfen die Anforderungen aber nicht dazu führen, dass ehrenamtlich Tätige, Bauhofmitarbeiter oder örtliche Verantwortliche bei notwendigen Unterhaltungsarbeiten zunehmend Sorge haben müssen, sich durch ihre praktische Arbeit einem umfangreichen Verwaltungs- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren auszusetzen.

Genau diese Entwicklung bereitet uns Sorge. Die Mitarbeiter, die draußen Verantwortung übernehmen und solche Arbeiten praktisch ausführen, müssen sich darauf verlassen können, innerhalb klarer und nachvollziehbarer Rahmenbedingungen zu handeln. Wenn bei jeder Maßnahme die Befürchtung besteht, Monate später jeden einzelnen Arbeitsschritt und den Zustand eines Weges vor vielen Jahren nachweisen zu müssen, entsteht zwangsläufig Verunsicherung.

Wer vor der Instandsetzung eines seit Jahrzehnten vorhandenen Wirtschaftsweges zunächst historische Luftbilder, alte Rechnungen und frühere Ausbauzustände dokumentieren muss, wird sich irgendwann fragen, ob er eine solche Maßnahme überhaupt noch anstößt.

Ehrenamt und Eigeninitiative brauchen verlässliche Rahmenbedingungen

Gerade im ländlichen Raum funktioniert vieles deshalb, weil Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen. Die Gemeinde Meißner arbeitet bei der Unterhaltung und Instandsetzung der Wirtschaftswege seit vielen Jahren eng mit den Jagdgenossenschaften in unseren sieben Ortsteilen zusammen. Die Jagdgenossenschaften bringen dabei eigene finanzielle Mittel ein, die Gemeinde unterstützt mit ihrem Bauhof, Personal und Maschinen, und auch die örtlichen Landwirte leisten ihren Beitrag.

Von diesem gemeinsamen Engagement profitiert nicht allein die Landwirtschaft. Ein gut unterhaltenes Wegenetz dient ebenso Spaziergängern und Wanderern, der Naherholung und letztlich der gesamten Bevölkerung unserer Ortsteile.

Umso wichtiger ist es, dass dieses Engagement auch künftig unter klaren, praktikablen und verlässlichen Rahmenbedingungen möglich bleibt. Natur- und Umweltschutz und die Erhaltung einer funktionierenden ländlichen Infrastruktur dürfen dabei keine Gegensätze sein.

Gleichzeitig ziehen wir aus dem aktuellen Vorgang unsere Konsequenzen. Künftige Wegeunterhaltungsmaßnahmen werden wir gemeinsam mit den Jagdgenossenschaften noch umfassender dokumentieren müssen – vom Zustand eines Weges vor Beginn der Arbeiten über die Herkunft des eingesetzten Materials bis hin zum Zustand nach Abschluss der Maßnahme.

Dass ein solcher Dokumentationsaufwand inzwischen offenbar erforderlich ist, bedauern wir sehr. Denn Zeit, Geld und ehrenamtliches Engagement, die für zusätzliche Dokumentation und Verwaltungsverfahren aufgewendet werden müssen, fehlen letztlich bei der praktischen Arbeit vor Ort.

Dabei möchten wir auch an diejenigen appellieren, die vermeintliche Missstände beobachten und zum Anlass für eine Anzeige nehmen: Unsere Wirtschaftswege werden nicht nur von Landwirten und Jagdausübungsberechtigten genutzt. Sie stehen uns allen zur Verfügung – Spaziergängern, Wanderern, Radfahrern und allen Menschen, die unsere Landschaft und unsere Dörfer schätzen.

Selbstverständlich darf und soll auf tatsächliche Missstände hingewiesen werden. Wir wünschen uns aber, dass dabei auch das Gespräch vor Ort gesucht und berücksichtigt wird, mit welchem persönlichen, finanziellen und ehrenamtlichen Einsatz diese Wege seit Jahrzehnten erhalten werden. Nicht jede Wegebaumaßnahme ist ein Eingriff oder eine Neuanlage – oftmals sorgen Menschen vor Ort schlicht dafür, dass ein seit vielen Jahren bestehender Weg auch weiterhin von uns allen genutzt werden kann.

Deshalb unser Appell: Sprechen wir miteinander, bevor wir übereinander sprechen oder den formellen Weg wählen. Wer unsere Wirtschaftswege nutzt, sollte auch ein Interesse daran haben, dass die Menschen, die sie erhalten, weiterhin bereit sind, diese Verantwortung zu übernehmen.

Denn am Ende geht es nicht um „die Gemeinde“, „die Jagdgenossenschaften“ oder einzelne Beschwerdeführer. Es geht um unsere gemeinsame Infrastruktur und um die Frage, wie wir in unseren sieben Ortsteilen miteinander umgehen.

Wirtschaftswege sind für alle da. Ihre Erhaltung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Helfen wir deshalb gemeinsam mit Augenmaß dabei, unsere Wege und unsere Dörfer lebenswert zu erhalten.