Vor ein paar Wochen sprach mich Imker und Bio-Landwirt Gerhard Sporer aus Vockerode an und berichtete, dass sich am Friedhof ein Blütenteppich entwickelt habe. Es war nun schon einige Zeit sehr trocken und zuweilen auch heiß, sodass die Pflegeeinsätze etwas weiter als üblich auseinander lagen und der natürliche Bodenbewuchs neben grünem Gras auch heimische Wildblumen mitsamt ihren bunten Blüten hervorbrachte.
Der erwähnte Blütenteppich befindet sich in dem Bereich, wo die Gräber bereits abgeräumt wurden, der freigewordene Platz aber aufgrund der anschließenden Ruhezeit noch nicht genutzt werden darf (und glücklicherweise auch nicht muss). Im Prinzip befindet sich dort eine kleine und ungenutzte Wiese.
Gerhard fragte mich, ob es nicht möglich sei, diesen blühenden Bereich zu erhalten. Wir kamen in ein längeres Gespräch und es gab viele Argumente, die dafür sprachen, einen blühenden Bereich zu erhalten. Dadurch, dass die Wiese regelmäßig gemäht und der Abschnitt abgeräumt wird, werden dem Boden Nährstoffe entzogen und Blumen und Kräuter haben eher eine Chance gegen viele, schnell wachsende Gräser anzukommen. Wenn es zur Blütenbildung kommt, bildet sich so eine wertvolle Nahrungsquelle und ein Rückzugsort für vielerlei Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge. Die Artenvielfalt nimmt durch das Nahrungsangebot zu, auf kurzem Gras gibt es weder Pollen noch Nektar. In Zeiten des Insektensterbens ist eine solche Magerwiese also ein Ort des Lebens.
Gerhard brachte ein, dass es eine Möglichkeit wäre, die Friedhofswiese im ersten Halbjahr wie gewohnt zu mähen und dann ab dem Sommer blühen zu lassen. Wenn man so verfahren würde, sparte das in der zweiten Jahreshälfte einige Ressourcen wie Personal-, Zeit- und Energieaufwand.
Ich entgegnete Gerhard, dass ich seinen Vorschlag in den Friedhofsausschuss bringen würde. Wir haben uns dann im Gremium kurzerhand abgestimmt und beschlossen, das Experiment zu wagen, schließlich gibt es dabei eigentlich nichts zu verlieren. Sicher ist es für manche Menschen etwas gewöhnungsbedürftig, dass im oberen Teil des Friedhofs nun außer den Rändern und Wegen nicht mehr gemäht wird, aber möglicherweise kehrt sich auch der Blick und man kann im bunten Wuchs und dem eifrigen Getummel auf und neben den Blüten eine Augenweide wahrnehmen.
Im Augenblick ist der Bereich, der bis zum Ende der Vegetationszeit geschont wird, mit Weidepfosten abgesteckt. Es ist geplant, ein Schild aufzustellen, das Besucherinnen und Besuchern erklärt, dass es sich nicht um Vernachlässigung, sondern um eine bewusste Entscheidung handelt.
Der Friedhofsausschuss wird diesen Versuch beobachten und auswerten und steht gerne für Rückmeldungen zur Verfügung.
Stefan Wäschenfelder
Ortsvorsteher Vockerode